Die ultimative Wachstumsformel Teil 1

Was in aller Welt ist denn meine so genannte „ultimative Wachstumsformel“?

Beim WachstumsKatalysator soll ja immer mehr die Praxis als die Theorie oder die Theologie im Vordergrund stehen. Ich werde daher keinen Versuch unternehmen diese Wachstumsformel hier  explizit biblisch herzuleiten und ein paar Schriftstellen diesbzgl. zu beleuchten.

Ich finde aber, dass diese Wachstumsformel sich einem aber quasi aufdrängt, wenn man die biblischen Texte in ihrer Gesamtheit mal auf sich wirken lässt oder man die Bibel einfach mal im Kontext von geistlichem Wachstum betrachtet.

Jetzt also zu der  Formel.

Die ultimative Wachstumsformel lautet: … MxB=W!

Und das steht für: Mentoring & Bibel = Wachstum.

Geistliches Wachstum geschieht, wo diese beiden Faktoren ausreichend ausgeprägt sind oder ausgeprägt werden.

Wir brauchen einerseits Mentoren und wir müssen uns andererseits in richtiger Art und Weise mit der Bibel beschäftigen. Das ist eigentlich alles. Wer diese beiden Komponenten berücksichtigt und im Alltag zur Anwendung bringt, wird fast zwangsläufig wachsen.

Und ganz wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass unbedingt beide Komponenten oder Faktoren berücksichtigt werden.

Wenn du die Bibel beispielsweise intensiv studierst und beherzigst, aber keine Mentoren hast, dann leidet deine persönlich Entwicklung trotzdem du die Früchte des Geistes in Bibelgriechisch rezitieren kannst.

Um es mal mathematisch auszudrücken: Liegt der Faktor Bibel bei einem Wert von 10, aber der Faktor Mentoring bei 0, dann kommt es trotzdem zu einem NullWachstum. 10x 0 = 0. Viel Aufwand, wenig oder keine Wirkung.

Um schneller vorwärts zu kommen, müssen beide Faktoren ausgeprägt werden. Hieße in meinem Beispiel, dass ich zwei Zeiteinheiten weniger Bibelstudium zugunsten von 2 Zeiteinheiten Mentoring aufwende und „rubbeldiekatz“ bin ich dadurch bei einem WachstumsWert von 16 (Bibel 8 x Mentoring 2).

Hier und heute geht es mir zunächst um das Thema Mentoring. Im nächsten Teil beschäftigt uns dann die zweite Komponente der Wachstumsformel: der richtige Umgang mit der Bibel.

Was ist Mentoring?

In der griechischen Heldensage erzählt man sich die Geschichte von dem griechischen Krieger Odysseus, der in den trojanischen Krieg zog. Als dieser sich aufmachte, um in die Schlacht zu ziehen, ließ er seinen jungen Sohn Telemachos (klingt wie die neuste Spielkonsole, oder?!) in der Obhut eines Vormundes, dessen Name Mentor war. Als Odysseus Mentor seinen Sohn anvertraute, soll er ihm gesagt haben: „Erzähle ihm alles, was du weißt.“ Die Belagerung Trojas dauerte zehn Jahre und Odysseus brauchte weitere zehn Jahre, um nach Hause zu kommen. In der Zwischenzeit von immerhin zwanzig Jahren, war sein Sohn Telemachos nun kein Kind mehr, sondern war durch die Fürsorge und Leitung Mentors zu einem stattlichen Mann gereift.

Aus dieser Sage heraus ist der Begriff Mentoring entstanden und beschreibt die Beziehung, in der sich eine Person um die Entwicklung einer anderen (meist jüngeren) Person kümmert und das mit dem Ziel, das Leben dieser Person zu bereichern und zur Reife zu führen.

Mentoring wurde auch oder gerade von biblischen Persönlichkeiten praktiziert. Die Bibel ist voll von Berichten darüber, wie Menschen durch eine Mentoringbeziehung hindurch bereichert und gefördert wurden. Man denke an Jethro und Mose, Mose und Josua, Elia und Elisa, Jesus und die 12 Apostel, Barnabas und Paulus, Paulus und Timotheus usw.
Ein Mentor im biblischen Sinne ist also jemand, der eine enge Beziehung zu einem Schützling aufbaut und ihn durch sein Vorbild, seinen Rat, seine Ermutigung oder auch durch praktische Hilfe und Gebet dahin bringt, geistlich zu wachsen.

Wie finde ich einen Mentor?

Ich will mich und dich jetzt nicht mit weiteren Gründen und Dynamiken des Mentorings aufhalten, da die meisten Menschen um den Nutzen des Mentoring wissen. Du weißt bestimmt, dass ein Mentor dir als geistliches Vorbild dient. Er dient dir um neue Perspektiven und Sichtweisen zu eröffnen, er verbindet dich mit anderen Quellen oder Menschen usw.

Ich möchte vielmehr der Frage nachgehen, wie man sich einen oder am Besten gleich mehrere Mentoren angelt. Im Gegensatz zur Ehe müssen Mentoringbeziehungen nämlich nicht monogam sein. Idealerweise hat man gleich mehrere Mentoren. Ich habe zum Beispiel gerade 2 Mentoren, und bin auf der Suche nach einem dritten.

Die folgenden 4 Schritte können dir helfen, einen passenden Mentor zu finden.

1. Schritt: Gebet

Wie fast alles im Reich Gottes, beginnt auch die Suche nach einem Mentor mit Gebet. Dein erster Schritt dazu einen geeigneten Mentor zu finden sollte es sein, daß du dafür betest. Du solltest Gott solange bitten, dir so eine Person in den Weg zu stellen, bis du sie tatsächlich triffst.

2. Schritt: Halte Ausschau

Noch während du noch für einen Mentor betest, erfolgt der zweite Schritt: Du beginnst dich in deiner Gemeinde, deiner Stadt, auf Konferenzen oder Seminaren nach Menschen umzusehen, die evtl. als Mentor in Frage kommen könnten.

Mentoren zu finden ist eigentlich nicht schwer, da sie im Grunde überall zu finden sind. Die Suche nach einem geeigneten Mentor scheitert aber häufig an einer falschen oder überzogenen Vorstellung davon, wie der Mentor sein sollte.

Ich nenne es das „Supermannsyndrom“. Dabei handelt es sich um die Meinung, dass es den einen Mentor in meinem Leben geben sollte, der meine Gaben erkennt und fördert, der mich „beseelsorgt“, der mich belehrt, vor dem ich Rechenschaft ablegen kann und mich in den Grundlagen der Nachfolge Christi befähigt. Aber das ist nicht realistisch. Diesen Supermann findet man selten oder nie. Deshalb brauchen wir mehrere Mentoren. Verschiedene Menschen können uns in den verschiedensten Bereichen des (geistlichen) Lebens helfen, d.h. Mentor sein.

Die Frage, wer der richtige Mentor für dich ist hängt davon ab, in welchem Lebensbereich du Hilfe, Unterstützung oder Ansporn brauchst. Frage dich, was deine konkreten Ziele und Absichten in den nächsten zwei Jahren sind und wo genau du diesbezüglich Hilfe brauchst?

Nachdem du nun deine Mentoring- Bedürfnisse analysiert hast, geht es darum, die passenden Mentoren zu finden. Wenn du im z.B. im musikalischen Bereich weiter kommen möchtest, brauchst du eigentlich nur einen „Coach“. Dieser „Coach“ muß aber nicht zwangsläufig ein „Glaubensheld“ sein, sondern nur eine Person, die dir helfen kann, deine musikalischen Fähigkeiten zu verbessern. Falls es dazu dein Wunsch ist, die Bibel besser zu verstehen solltest du nicht den Fehler machen und nach einem musikalischen Coach suchen, der darüber hinaus noch ein guter Lehrer ist. Suche vielmehr noch zwei Mentoren: einem, der dir musikalisch hilft und einem, der dir hilft, die Bibel besser zu verstehen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, daß einem mit dieser Methode „plötzlich“ eine Menge möglicher Mentoren in den Sinn kommen. Und Du wirst vielleicht auchmerken, daß es in deinem Umfeld eine Menge von Personen gibt, die wenigstens in einem Bereich ein Vorbild für dich sind und die dir helfen geistlich zu wachsen, bzw. deine Ziele zu erreichen.

3. Schritt: Nimm Kontakt auf

Wenn du schon jemanden im Blick hast, geht es beim 3. Schritt darum, Kontakt aufzunehmen und deinen Wunsch nach einer Mentoring- Beziehung vorzutragen. Wenn du die Person bereits kennst (Freund, Bekannter), dann ist es nur natürlich, die Person zu bitten, dir beispielsweise dabei zu helfen, mehr über das Thema „Fürbitte“ zu lernen.

Ich würde dir aber empfehlen, den Begriff Mentor oder Mentoring im Gespräch zunächst nicht zu benutzen. Viele potentielle Mentoren schrecken bei diesem Begriff zurück, weil sie ein falsches Bild von einem Mentor haben. Sie weisen deine Bitte dann vielleicht ab, weil sie Mentor mit einem „geistlichem Überflieger“ gleichsetzen und sie der Meinung sind diesen Anforderungen nicht entsprechen zu können. Deshalb würde ich dir raten, dein konkretes Bedürfnis zu nennen und zu fragen, ob die betreffende Person dir in diesem Bereich helfen kann.

Bei Leuten, die man nicht so gut kennt hat sich die folgende Methode bei mir bewährt. Ich schreibe die Leute an, stelle mich kurz vor und frage, ob ich sie einmal in ihr eigenes Lieblingsrestaurant in ihrer Stadt einladen darf, um dabei die ein oder andere Frage diskutieren, die ich dann entsprechend vorbereite. Bisher habe ich noch nie eine Abfuhr bekommen! Warum? Jeder wird gerne zum Essen eingeladen und jeder fühlt sich geehrt, wenn er zu einem bestimmten Thema befragt werden soll! Und nach einem ersten Gespräch, knüpfe ich später, 2-3 Wichen danach, noch einmal an das Gespräch und sage sinngemäß, dass mir das Treffen viel gebracht hat. Und ich frage, ob wir das nicht so 3-4 x pro Jahr wiederholen könnten, um ähnliche Themen zu besprechen. Damit habe ich bisher jeden Mentor rumgekriegt.

4. Schritt: Erstelle ein Programm

Du solltest dir nur schon mal überlegen, wie du die Mentoring- Beziehung ganz praktisch gestalten möchtest. Wenn du beispielsweise mehr über das Gebet lernen möchtest, könnte dein Programm so aussehen, daß du dich für einen Zeitraum von einem Jahr einmal in der Woche mit dem Mentor zum Gebet treffen möchtest, du dir Hausaufgaben von deinem Mentor wünscht (z.B. Biographien über Fürbitter lesen). Oder dein Mentor während der Treffen Dinge in deinem Leben ansprechen soll, die die Effektivität deiner Gebete mindern.

Im Normalfall ändert sich deine „Programmidee“ noch einmal, wenn du mit dem Mentor darüber sprichst, da dieser höchstwahrscheinlich selbst noch ein paar Vorschläge machen wird – immerhin ist er ja der alte Hase oder der Experte. Zum Beispiel wird er dir sagen, dass er es nicht wöchentlich schafft. Aber dein Programmvorschlag ist eine gute Grundlage, um den Prozess zu initiieren und zu strukturieren.

Ich wiederhole die 4 Schritte noch einmal: 1. Bete um einen oder mehrere Mentoren, 2. Halte entsprechend deiner Bedürfnisse und Ziele Ausschau, 3. Nimm Kontakt auf und 4. Erstelle ein Programm, dass als Diskussionsgrundlage dient.

Schluss

Soweit zum ersten Teil der ultimativen Wachstumsformel.

Ich möchte dir hiermit auch eine konkrete Herausforderung stellen- eine Montaschallenge sozusagen.

Ich möchte dich herausfordern, dass du dir im Laufe des nächsten Monats mal Gedanken über deinen genauen Bedarf machst und dich dann aufmachst einen ersten Mentor zu finden.

Herausforderung angenommen?

Folge 39: Tagebuch schreiben

Ich tue es seit 10 Jahren! Craig Groeschel, Gründer und Leiter der Life.Church, wünschte, schon viel früher in seinem Dienst damit begonnen zu haben und nahezu alle erfolgreichen Männer und Frauen tun es auch.

Die Rede ist vom Tagebuch schreiben.

Wieso, weshalb, warum das Tagebuch schreiben auch für das geistliche Wachstum von enormer Bedeutung sein kann, erfährt du hier und heute in Episode 39.

Das Seelenschiff

Ich habe das Konzept oder die Idee vom Seelenschiff bei Timothy Keller und in seinem Buch „Beten – dem heiligen Gott nahe kommen“ kennengelernt und verwende das seither ganz gerne für meine Mentoringgespräche.

Aber man kann diese Übung eben auch ganz für sich alleine machen, im Sinne einer Bestandsaufnahme oder der Klärung der momentanen Ausgangssituation.

Stell dir deine Seele oder den geistlichen Zustand deiner Seele einmal als ein Boot vor,- und zwar als ein Boot, das sowohl ein Segel als auch ein Ruder hat.

Die Frage dabei ist, welcher der nachfolgenden Optionen deinem geistlichen Zustand momentan entspricht.

1. Segeln

„Segeln“ heißt, du lebst als Christ gerade mit Rückenwind. Dein Boot wird von dem Segel getrieben. Gott ist eine Realität in deinem Herzen. Oft spürst du seine Liebe förmlich. Du erlebst Gebetserhörungen. Wenn du die Bibel liest, machst du regelmäßig große Entdeckungen und du spürst, wie Gott zu dir spricht. Du merkst auch, wie Menschen in deiner Umgebung vom Heiligen Geist beeinflusst werden, weil Gott dich benutzt.

Entspricht das deiner momentanen Situation?
Oder bist du eher am Rudern?!

2. Rudern

„Rudern“ heißt, du empfindest das Beten und Bibellesen mehr als Pflicht und nicht als Freude. Oft (wenn auch nicht immer) scheint Gott weit weg zu sein, du spürst nur selten seine Gegenwart. Du erlebst weniger viele Gebetserhörungen und möglicherweise kämpfst du mit Zweifeln – an Gott und an dir selbst.
Doch trotz alledem versinkst Du nicht in Selbstmitleid und kämpfst immer weiter. Du liest weiter deine Bibel und betest regelmäßig, gehst zum Gottesdienst und dienst deinen Mitmenschen, all der Dürre in deiner Seele zum Trotz.

Ist das vielleicht gerade so bei dir?
Oder bist du nur noch am Treiben?

3. Treiben

„Treiben“ heißt: Du erlebst das, was der Ruderer auch erlebt – geistliche Dürre und Probleme im Leben. Aber als Reaktion darauf, hörst du auf zu rudern und lässt dich treiben. Du spürst kaum mehr ein Bedürfnis in Gottes Gegenwart zu treten, ihm zu gehorchen, und stellst Bibellesen und Beten ein. Oft oder im Sinne eines Trostes, gibst du dich bewusst oder unbewusst irgendwelchen Ersatzbefriedigungen bis hin zur Sucht hin – kulinarisch, sexuell oder wie auch immer.

Beschreibt das den Zustand deiner Seele?
Oder bist du vielleicht sogar schon am Sinken?

4. Sinken

Wenn man sich lange genug treiben lässt, dann beginnt man über kurz oder lang an zu sinken. Die Nachfolge und geistliches Wachstum ist komplett zum Stillstand gekommen! Es besteht die echte Gefahr, dass du deinen Glauben fahren lässt und die Nachfolge Jesu abbrichst.

Reflektion

Die Frage ist, wie genau es um deine Seele und deinen geistlichen Zustand bestellt ist:

Segelst du?
Ruderst du?
Treibst du?
Oder sinkst du?

Allein schon die Auseinandersetzung mit dieser Frage und die Weigerung alles so zu lassen wie es ist, kann wahre Wunder bewirken.

Denn nicht selten führt ein ehrlicher Blick auf den Ist-Zustand zu neuer Motivation für das, was sein sollte oder zumindest sein könnte.

Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung.

Nach der Zustandsbeschreibung der eigenen Seele stelle ich mir oder meinem Mentee, den ich begleite, meist die folgende Frage:

Wenn du wieder bei voller Windstärke segeln würdest, was wäre dann anders – oder was wäre bis dahin passiert?

In der Regel weiß ich oder die Menschen, die ich begleite, meist sehr schnell, wo genau die Stellschrauben sind und wo es anzusetzen gilt. Darum geht es bei dieser Übung. Ich glaube fest daran, und erlebe es bei mir selbst und in der Begleitung von Menschen, dass der heilige Geist, der ja in uns wohnt, uns an dieser Stelle die notwendigen Schritte aufzeigt, wenn wir unseren Zustand ehrlich reflektieren.

Ich mache dann, entweder für mich oder mit meinem Mentee, weiter damit eine Liste von Dingen, Maßnahmen oder Optionen zu erstellen, die nützlich dabei sind, die Segel neu zu hissen und wieder vom Wind des heiligen Geistes angetrieben zu werden.

Und an dieser Stelle kommt dann auch noch das Gebet.

Die Erkenntnis über den eignen Zustand oder auch die Betroffenheit schafft die Grundlage für ein ernsthaftes Gebet aus ganzem Herzen. Der Qualität von Gebet, die die Verheißung trägt, von Gott erhört zu werden.

Zum Schluss

Ich will dich an dieser Stelle einfach noch mal einladen mit dem Seelenschiff eine geistliche Zustandsbeschreibung zu machen und dich zu fragen, ob du gerade:
– segelst,
– ruderst,
– treibst
– oder sinkst?

6 Fragen zum Bibelstudium (nach Georg Müller)

1. Gibt es in diesem Text ein Beispiel, dem ich folgen sollte?
2. Gibt es eine Anweisung, der ich gehorchen sollte?
3. Gibt es einen Fehler, den ich vermeiden sollte?
4. Gibt es eine Sünde, die ich lassen sollte?
5. Gibt es eine Verheißung, auf die ich mich stellen kann?
6. Lerne ich etwas Neues über Gott?

Folge 20: Interview mit Lothar Krauss

In der Episode 20 gibt es schon wieder ein Interview. Dieses mal hatte ich Lothar Krauss vor dem Mikrofon.

Lothar ist Pastor im BfP, Strategieberater und Blogger.

Der LeiterBlog erfreut sich einer immer größer werdenden Community und empfiehlt sich sehr, wenn man als geistlicher Leiter wachsen will.
https://der-leiterblog.de

Ich habe mit Lothar über den Zusammenhang von geistlichem Wachstum und geistlicher Leiterschaft gesprochen.

Die 5-Finger-Reflektion

Heute geht es um das Thema Selbstreflexion und ich möchte dir eine Methode vorstellen, die man gemeinhin als die 5 Finger – Reflektion bezeichnet.

Reflektion ist ein inflationär gebrauchter Begriff. Jeder hat folgendes schon mal gesagt oder gehört: „Ich bin ein reflektierter Mensch.“ „Das war unreflektiert.“ „Handle reflektiert!“ „Er reflektiert sich zu selten.“

Reflektion ist in aller Munde und tatsächlich in vielerlei Hinsicht hilfreich und notwendig.

Nicht nur ich, sondern eigentlich alle geistlichen Leiter, die ich kenne betonen, wie wichtig es ist über Situationen, über eigenes oder fremdes Verhalten gründlich nachzudenken. Wer vorwärtskommen, wer sich persönlich entwickeln und wer geistlich wachsen will, sollte die Kunst beherrschen, sich selbst zu reflektieren.

In Episode 10 sprach ich ja auch mit meinem Interviewgast Stefan Pahl über Wachstumsprinzipien und auch er nannte die regelmäßige Reflektion als Schlüsselgewohnheit eines Nachfolgers.

Ohne Reflektion kein Wachstum. Wenn ich nicht prüfend über mich selbst nachdenke, dann bringen mir die längsten Bibellesezeiten und auch die besten Mentoren im Leben nichts. Ohne Reflektion gehen die besten Impulse, Erkenntnisse oder Erlebnisse ins eine Ohr rein und aus dem anderen Ohr gleich wieder hinaus. Die Reflektion hat also n diesem Sinnen einen bewahrenden Lerncharakter.

Die Kunst Abstand zu nehmen

Zu einer gesunden und vorwärtsgerichten geistliuchen Entwikclung gehört die Kunst Abstand zu nehmen und die Fähigkeit sich einer Auseinandersetzung mit sich selbst zu stellen.

Gerade geistliche Leiter sollten sich immer wieder zurückziehen, um Zeit zur Reflektion zu haben. Bill Hybels, Pastor von Willow Creek, rät gerade Pastoren und Führungskräften, dass sie 50% ihrer Zeit dem Selbstmanagement widmen sollten und verweist dabei auf Jesus, der sich ebenfalls regelmäßig an ruhige Orte zurückzog, um sich durch Gebet, Fasten und Stille neu auszurichten.

Ich finde 50% als nicht so realistisch, aber auf jeden Fall sollte man ein geistliches Ritual oder eine feste Gewohnheit entwickeln, die mir hilft, mich selbst unter die Lupe zu nehmen.

Standortbestimmung

Ich höre immer wieder wie wichtig persönliche Ziele für die eigene Entwicklung sind.

Und so richtig diese Aussage auch ist, so ungenügend ist sie doch gleichzeitig.

Stell dir mal vor, dass du in einem großen Einkaufsgeschäft, also in einer sogenannten Mall mit zig kleinen Geschäften.

Wenn du durch einen Blick auf den Lageplan nun wüsstest, wo genau dass das Geschäft deiner Wahl nun liegt, dann bringt dir das erst mal gar nichts.

Diese Zielkoordinaten machen nur dann Sinn, wenn du auch weißt, wo genau du dich gerade aufhältst.

Nur wenn Du weißt wo du hinwillst und wenn du gleichzeitig weißt, wo du stehst, kannst du den richtigen Weg wählen.
Deswegen ist in den Einkaufszentren auch immer so einer roten Punkt auf dem Plan, auf dem steht: Sie befinden sich hier!

Geistliche Entwicklung braucht nicht nur ein irgendwie definiertes Ziel, sondern auch immer eine Standortbestimmung. Und die Regelmäßige Selbstreflektion ist nichts anderes als eine Standortbestimung.

Für eine Standortbestimmung empfehle ich immer auch das Führen eines Tagebuchs oder eines Journals. Wenn ich mich dazu bringe bestimmte Gefühle oder Wahrnehmungen aufzuschreiben, dann zwinge ich mich zur Auseinandersetzung mit mir selbst und ich verorte mich oder ich führe sozusagen eine Ortsbegehung durch. Ich schaue einfach, was gerade los ist.

Die Frage die ich immer höre ist, wie man sich denn mit sich selbst auseinander setzen kann oder wie man ein Tagebuch aufbauen kann.

Und das bringt mich zum eigentlichen Thema heute: der 5-Finger- Reflektion.

Diese Methode eignet sich übrigens nicht nur für die Selbstreflektions, sondern auch ganz hervorragend für Mentoringgespräche, für das Coaching, für die Gestaltung von Kleingruppenabenden oder zur Auswertung von Seminaren.

Aber ich erkläre diese Methode hier und heute mal im Kontext von Selbstreflektion.

Die 5 Finger

Ich persönlich finde die 5 Finger- Reflektion einfach gut, weil sie sehr einprägsam ist. Meine eigene Hand ist hier meine Gedankenstütze.
Na ja, und überhaupt bin ich ein Fan von Dingen, die ich an einer Hand abzählen kann.

Also es geht der Reihe nach um die einzelnen Finger meiner Hand:

1.Daumen
Der Daumen steht für das, was top ist. Ich frage mich, was gerade so richtig gut in meinem Leben läuft oder was wieder gut geworden ist. Hier beantworte ich oder verschriftliche ich, wofür ich dankbar bin und was mich glücklich macht.
Ich finde es hilfreich gerade hiermit auch zu beginnen, weil wir Deutschen doch sehr häufig ein Problembewusstsein haben und sehr selten den Segen Gottes im eigenen Leben reflektieren.

2.Zeigefinger
Der Zeigefinger steht für das, was mir gezeigt wurde. Was habe ich gelernt? Welche neuen Erkenntnisse habe ich gesammelt? Was ist mir bewusst geworden?
Gerade an einem Tag, wo ich selbst gescheitert bin oder ich interessante Begegnungen hatte, halte ich hier meine Lernerfahrungen fest.

3.Mittelfinger
Der Mittelfinger ist ja der Stinkefinger. Hierbei geht es um die Dinge, die mir stinken oder sauer aufstoßen. Worüber ärgere ich mich? Bei mir oder bei anderen oder auch bei Gott? Manch einer schluckt und schluckt und irgendwann explodiert er dann. Hier ist die Reflektion vorbeugend und es beginnt eine Auseinandersetzung auch mit den Stinkbomben des eigenen Lebens.. Nicht selten beginnt hier auch Vergebung. Es kann wirklich sehr befreiend sein, so eine Art Psychohygiene, wenn man mal alles rauslässt, was einem so stinkt.

4.Ringfinger
Der Ringfinger steht für meine Beziehungen. Es geht um die Frage wie es mir in meiner Partnerschaft, mit meinen Eltern / Kindern, Freunden oder Kollegen hat. Wenn alles schön ist, dann ist ja gut, aber wenn nicht, dann öffnet mir die Reflektion vielleicht Handlungsperspektiven oder – alternativen.

5.Kleiner Finger
Der kleine Finger steht für das, was zu kurz kam in letzter Zeit. Es ist ja so, dass jedes Ja ein Nein bedingt. Wenn man Ja sagt zu etwas, z.B. zu einem Job oder einem Projekt sagt, dann sagt man in der Regel gleichzeitig Nein zu etwas anderem. Und von Zeit zu Zeit müssen wir gucken, ob wir noch in der richtigen Balance sind und uns prüfen, ob wir nicht Entscheidendes im Leben zu wenig berücksichtigt haben.

Das ist die 5-Finger-Reflektion!

Wie gesagt, empfehle ich diese Reflektion schriftlich zu machen.
Wenn man schreibt dann zwingt man sich zur Konzentration. Außerdem schreibt man sich die Dinge oft sprichwörtlich von der Seele.
Aber man kann es eben auch mündlich und in der Gemeinschaft mit anderen machen, z.B. mit dem Partner oder in der Kleingruppe.

Regelmäßigkeit

So oder so empfehle ich eine regelmäßige Reflektion. Nur die Übung macht den Meister. Um einen Zugang zu mir selbst zu finden und den Weg für geistliches Wachstum zu bereiten, reicht es nicht aus, dass nur einmal zu tun.

Reflektion sollte zu einer festen Gewohnheit werden. Und für eine Gewohnheit braucht es eine feste Zeit und auch einen festen Ort.
Ich z.B. habe eine feste Zeit in der Woche, wo ich mich selbst reflektiere.

Man kann sich auch im Sinne eines Tagesabschlusses reflektieren und diese 5 Finger Reflektion kurz vor dem ins Bettgehen machen.

Wie wär´s jetzt mit einer kleiner Reflektion?

Was ist gerade TOP in deinem Leben? (der Daumen)
Was wurde dir in letzter Zeit gezeigt? (der Zeigefinger)
Was stinkt dir? (der Mittelfinger)
Wie geht es dir in deinen Beziehungen? (der Ringfinger)
Was kam in letzter Zeit zu kurz? (der kleine Finger)

Viel Spaß jetzt beim Reflektieren, 🙂
Dein Markus

Folge 9: 5 Verbindlichkeitsfragen

In dieser Episode erläutere ich die 5 VerbindlichkeitsFragen, die ich Woche für Woche mit meinem Zweierschaftspartner bearbeite.

1. Hast du diese Woche etwas mit Gott erlebt?
2. Wie ging es dir beim Bibellesen und was hast du gelernt?
3. Solltest du irgendeine Sünde bekennen?
4. In welchem Lebensbereich bist du herausgefordert die Lebensweise Jesu zu kopieren?
5. Hast du diese Woche auf eine gesunde Lebensweise geachtet?

Folge 8: Zweierschaften

In der 8. Episode des WachstumsKatalysators geht es dieses Mal um das Thema Zweierschaft. Für viele Menschen ist eine Zweierschaft ein – oder vielleicht sogar der – Wachstumsbeschleuniger schlechthin. Und erfahrene Nachfolger Jesu attestieren den Zweirerschaften einen hohen geistlichen Nutzen, und sie behaupten, enorm viel durch eine Zweierschaft profitiert zu haben.

Folge7: Zugangswege

Wir haben häufig nur ein einziges Standardmodell für unseren spirituellen Ausdruck. Dallas Williard sagte einmal: „Falsch verstandene oder praktizierte Spiritualität ist eine der Hauptursachen für menschliche Qualen und Rebellion gegen Gott.“ Jeder Mensch ist andres, und es gibt unterschiedliche Zugangswege zu Gott. In dieser Episode geht es um die unterschiedlichen Zugangswege die Nachfolger Jesu zu Gott haben können.

Folge 4: Lectio Divina

Mir berichten immer wieder Leute, dass sie sich gerne intensiver mit der Bibel beschäftigen und sich stärker von den biblischen Wahrheiten oder Erkenntnissen leiten lassen möchten.
Aber leider, so höre ich dann, haben diese Leute zu oft das Gefühl, dass sich diese Offenbarungen, Verheißungen oder Wahrheiten nicht so festsetzen bei oder in ihnen.
Sie machen in etwa die Erfahrung die Jesus im Gleichnis von dem Sämann erzählt. Der biblische Same wird zwar ausgesät, aber er fällt nur selten ins Herz. Viel zu oft fällt er auf den felsigen Boden, unter die Dornen oder auf den Weg. Die Frucht bleibt aus, man wächst nicht, kommt nicht vorwärts und man macht keine Fortschritte.
Was mir hier selbst immer wieder ungemein hilft ist die sogenannte Lectio Divina.