Das Seelenschiff

Ich habe das Konzept oder die Idee vom Seelenschiff bei Timothy Keller und in seinem Buch „Beten – dem heiligen Gott nahe kommen“ kennengelernt und verwende das seither ganz gerne für meine Mentoringgespräche.

Aber man kann diese Übung eben auch ganz für sich alleine machen, im Sinne einer Bestandsaufnahme oder der Klärung der momentanen Ausgangssituation.

Stell dir deine Seele oder den geistlichen Zustand deiner Seele einmal als ein Boot vor,- und zwar als ein Boot, das sowohl ein Segel als auch ein Ruder hat.

Die Frage dabei ist, welcher der nachfolgenden Optionen deinem geistlichen Zustand momentan entspricht.

1. Segeln

„Segeln“ heißt, du lebst als Christ gerade mit Rückenwind. Dein Boot wird von dem Segel getrieben. Gott ist eine Realität in deinem Herzen. Oft spürst du seine Liebe förmlich. Du erlebst Gebetserhörungen. Wenn du die Bibel liest, machst du regelmäßig große Entdeckungen und du spürst, wie Gott zu dir spricht. Du merkst auch, wie Menschen in deiner Umgebung vom Heiligen Geist beeinflusst werden, weil Gott dich benutzt.

Entspricht das deiner momentanen Situation?
Oder bist du eher am Rudern?!

2. Rudern

„Rudern“ heißt, du empfindest das Beten und Bibellesen mehr als Pflicht und nicht als Freude. Oft (wenn auch nicht immer) scheint Gott weit weg zu sein, du spürst nur selten seine Gegenwart. Du erlebst weniger viele Gebetserhörungen und möglicherweise kämpfst du mit Zweifeln – an Gott und an dir selbst.
Doch trotz alledem versinkst Du nicht in Selbstmitleid und kämpfst immer weiter. Du liest weiter deine Bibel und betest regelmäßig, gehst zum Gottesdienst und dienst deinen Mitmenschen, all der Dürre in deiner Seele zum Trotz.

Ist das vielleicht gerade so bei dir?
Oder bist du nur noch am Treiben?

3. Treiben

„Treiben“ heißt: Du erlebst das, was der Ruderer auch erlebt – geistliche Dürre und Probleme im Leben. Aber als Reaktion darauf, hörst du auf zu rudern und lässt dich treiben. Du spürst kaum mehr ein Bedürfnis in Gottes Gegenwart zu treten, ihm zu gehorchen, und stellst Bibellesen und Beten ein. Oft oder im Sinne eines Trostes, gibst du dich bewusst oder unbewusst irgendwelchen Ersatzbefriedigungen bis hin zur Sucht hin – kulinarisch, sexuell oder wie auch immer.

Beschreibt das den Zustand deiner Seele?
Oder bist du vielleicht sogar schon am Sinken?

4. Sinken

Wenn man sich lange genug treiben lässt, dann beginnt man über kurz oder lang an zu sinken. Die Nachfolge und geistliches Wachstum ist komplett zum Stillstand gekommen! Es besteht die echte Gefahr, dass du deinen Glauben fahren lässt und die Nachfolge Jesu abbrichst.

Reflektion

Die Frage ist, wie genau es um deine Seele und deinen geistlichen Zustand bestellt ist:

Segelst du?
Ruderst du?
Treibst du?
Oder sinkst du?

Allein schon die Auseinandersetzung mit dieser Frage und die Weigerung alles so zu lassen wie es ist, kann wahre Wunder bewirken.

Denn nicht selten führt ein ehrlicher Blick auf den Ist-Zustand zu neuer Motivation für das, was sein sollte oder zumindest sein könnte.

Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung.

Nach der Zustandsbeschreibung der eigenen Seele stelle ich mir oder meinem Mentee, den ich begleite, meist die folgende Frage:

Wenn du wieder bei voller Windstärke segeln würdest, was wäre dann anders – oder was wäre bis dahin passiert?

In der Regel weiß ich oder die Menschen, die ich begleite, meist sehr schnell, wo genau die Stellschrauben sind und wo es anzusetzen gilt. Darum geht es bei dieser Übung. Ich glaube fest daran, und erlebe es bei mir selbst und in der Begleitung von Menschen, dass der heilige Geist, der ja in uns wohnt, uns an dieser Stelle die notwendigen Schritte aufzeigt, wenn wir unseren Zustand ehrlich reflektieren.

Ich mache dann, entweder für mich oder mit meinem Mentee, weiter damit eine Liste von Dingen, Maßnahmen oder Optionen zu erstellen, die nützlich dabei sind, die Segel neu zu hissen und wieder vom Wind des heiligen Geistes angetrieben zu werden.

Und an dieser Stelle kommt dann auch noch das Gebet.

Die Erkenntnis über den eignen Zustand oder auch die Betroffenheit schafft die Grundlage für ein ernsthaftes Gebet aus ganzem Herzen. Der Qualität von Gebet, die die Verheißung trägt, von Gott erhört zu werden.

Zum Schluss

Ich will dich an dieser Stelle einfach noch mal einladen mit dem Seelenschiff eine geistliche Zustandsbeschreibung zu machen und dich zu fragen, ob du gerade:
– segelst,
– ruderst,
– treibst
– oder sinkst?